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Die ersten Schritte, nach Dringlichkeit geordnet. Sie müssen nicht alles heute erledigen.
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Offiziell registrieren lassen sich in Deutschland nur vier Dinge: das Testament (Zentrales Testamentsregister, 12,50 bis 15,50 Euro), die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung (Zentrales Vorsorgeregister, 20,50 bis 26 Euro einmalig), die Verwahrung des Testaments beim Amtsgericht (75 Euro) und die Organspende-Entscheidung (kostenlos). Für alles andere — Bankkonten, Versicherungen, Online-Zugänge, Passwörter, Kryptoschlüssel, Abonnements — gibt es kein staatliches Register, und Angehörige müssen einzeln bei jedem Anbieter nachfragen.
Ab dem 1. Oktober 2026 kann im Zentralen Vorsorgeregister neben dem Eintrag auch eine elektronische Abschrift der Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung oder Patientenverfügung liegen; Betreuungsgerichte und behandelnde Ärzte lesen das Dokument dann im Volltext am Bildschirm statt nur den Hinweis, dass es existiert. Hinterlegen darf die Abschrift ausschließlich ein institutioneller Nutzer — Notar, Rechtsanwalt, Betreuungsverein oder Betreuungsbehörde —, nicht die vorsorgende Person selbst; eine eigene Registergebühr dafür ist bislang nicht veröffentlicht, das Honorar des Berufsträgers ist frei.
Microsoft kennt keinen Nachlasskontakt: Man kann zu Lebzeiten niemanden benennen. Angehörige in Deutschland wenden sich nach dem Tod an den Microsoft-Kundensupport und weisen ihr Erbrecht nach — unter anderem mit einem Erbschein oder einem anderen gerichtlichen Dokument.
LinkedIn kennt zwei Wege: das Profil in den Gedenkzustand versetzen oder das Konto schließen. Melden darf jede Person; schließen nur, wer berechtigt ist, im Namen der verstorbenen Person zu handeln — und dafür verlangt LinkedIn ein gerichtliches Zeugnis, kein Testament und keine Vollmacht.
Bitwarden hat mit dem Notfallzugang die einzige echte Frist-und-Freigabe-Funktion der drei großen Anbieter: Eine Vertrauensperson stellt einen Antrag, und nach einer vom Kontoinhaber gesetzten Wartezeit wird er automatisch gewährt. 1Password setzt stattdessen auf ein gedrucktes Notfall-Kit, KeePass auf die Datei selbst — und keiner der drei weiß, dass jemand gestorben ist.
Ein Passkey besteht aus einem geheimen Schlüssel, der das Gerät oder die Cloud des Anbieters nie verlässt — es gibt nichts, was man aufschreiben und hinterlegen könnte. Vererbbar ist deshalb nicht der Passkey selbst, sondern nur der Zugang zu dem Gerät oder Konto, in dem er liegt.
Steht vor einem Konto ein zweiter Faktor, nützt das Passwort allein nichts mehr; was Angehörige erreichen, hängt davon ab, welcher Faktor es ist. Ein Telefon mit bekanntem Code führt weiter, eine Authenticator-App auf einem gesperrten Gerät nicht — und der Weg über den Anbieter dauert Tage bis Wochen.
Wiederherstellungscodes sind der einzige Teil einer modernen Anmeldung, der sich ausdrucken und hinterlegen lässt: Google gibt zehn einmal verwendbare Backup-Codes aus, Microsoft einen 25-stelligen Code, Apple einen 28-stelligen Wiederherstellungsschlüssel. Wer sie erzeugt und sicher verwahrt, erspart Angehörigen den wochenlangen Weg über die Kontowiederherstellung.
Ja — die Inhaberschaft an einer Domain ist grundsätzlich vererbbar, und wer seine Erbenstellung gegenüber dem Provider nachweist, wird als neuer Inhaber eingetragen. Der Haken liegt woanders: Läuft die Verlängerung mangels Zahlung aus, ist die Domain nach einer Karenzzeit von 30 Tagen für jeden frei — samt aller E-Mail-Adressen, die daran hingen.
Das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer wird im Sterbefall automatisch benachrichtigt und meldet dem Nachlassgericht, ob eine Verfügung verwahrt wird. Erfasst sind aber nur notariell beurkundete und amtlich verwahrte Dokumente — ein Testament in der Schublade steht dort von Gesetzes wegen nicht.
Die nach dem Todesmonat überwiesene Rente gehört nicht zum Nachlass und wird vom Rentenversicherungsträger zurückgebucht. Wer sie ausgibt, muss sie ersetzen — Witwen und Witwer beantragen stattdessen das Sterbevierteljahr und bekommen so drei Monate Zeit für den Antrag auf Hinterbliebenenrente.
Liegen Kryptowerte auf einer Börse, verwahrt das Unternehmen die Schlüssel, und der Nachlass läuft wie bei einer Bank über ein Verfahren mit Sterbeurkunde und Erbnachweis. Das ist der Gegensatz zur Selbstverwahrung: Dort gibt es niemanden, an den man einen Antrag stellen könnte.
Aus der Wiederherstellungsphrase lässt sich eine Wallet vollständig neu aufbauen; wer sie hat, hat das Geld. Genau deshalb gehört sie nicht in einen Onlinespeicher und nicht in eine Nachricht — in den digitalen Nachlass gehört der Hinweis, wo sie liegt, nicht die Phrase selbst.
Eine 2-von-3-Signatur ist die technisch sauberste Nachlassregelung für Kryptowerte: Zu Lebzeiten kommt niemand allein an die Mittel, im Erbfall genügen zwei der drei Schlüssel. Der Preis ist die Einrichtung — wer den Umgang damit nicht beherrscht, verliert damit schneller Geld, als er es sichert.
Ein Erbschein weist die Erbenstellung gegenüber Banken und Behörden nach und wird beim Nachlassgericht beantragt; laut einer Umfrage des Deutschen Anwaltvereins von 2025 dauert das Verfahren in über 40 Prozent der unstrittigen Fälle länger als sechs Monate, bei Streit häufig über ein Jahr. Österreich und die Schweiz kennen kein Erbschein-Verfahren in dieser Form, sondern den Einantwortungsbeschluss beziehungsweise die Erbbescheinigung.
Mehrere große Anbieter löschen inaktive Konten samt Inhalten, ohne dass es eines Todesfalls bedürfte: Google nach zwei Jahren Inaktivität, Microsoft sperrt Outlook.com und OneDrive schon nach einem Jahr. Ein Erbschein braucht oft länger als diese Fristen.
Der Bundesgerichtshof entschied am 12. Juli 2018, dass der Vertrag über ein Nutzerkonto wie jeder andere Vertrag nach § 1922 BGB auf die Erben übergeht und diese Zugang zum vollständigen Konto samt Kommunikationsinhalten erhalten. Das Urteil sagt aber nichts darüber, wie schnell das geschieht — die Eltern klagten drei Jahre bis zu diesem Urteil und danach noch einmal um die Form der Herausgabe.
Die DSGVO gilt für Verstorbene ausdrücklich nicht — Erwägungsgrund 27 sagt in einem Satz, dass sie auf personenbezogene Daten Verstorbener keine Anwendung findet. Geschützt bleiben das postmortale Persönlichkeitsrecht aus Artikel 1 des Grundgesetzes, die Schweigepflichten der Berufsgeheimnisträger — und die Daten aller Lebenden, die in einem Postfach oder Chatverlauf mitstehen.
Alle drei Länder kennen gesetzliche Erbfolge und Pflichtteil, unterscheiden sich aber an den Stellen, an denen es praktisch wird: In Österreich wird das Verfahren von Gericht und Notar automatisch eröffnet, in Deutschland und der Schweiz müssen Erben selbst tätig werden. Schon die Begriffe weichen ab — Erbschein, Einantwortung und Erbbescheinigung bezeichnen drei verschiedene Wege zum selben Nachweis.
Wer erbt, versteuert den Nachlass so, wie er am Todestag stand — auch dann, wenn Dritte ihn vorher an sich gebracht und verbraucht haben. Der Bundesfinanzhof hat am 25. Februar 2026 entschieden, dass die Steuer in solchen Fällen aus Billigkeitsgründen abweichend festgesetzt werden kann, aber nur, wenn der Erbe alles ihm Mögliche getan hat.
Als der Gründer der kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX Ende 2018 starb, hieß es, mit ihm sei der Zugang zu den Kundengeldern verschwunden. Die Untersuchung der Ontario Securities Commission kam zu einem anderen Ergebnis: Der Fehlbetrag von 169 Millionen kanadischen Dollar entstand ganz überwiegend durch Betrug zu Lebzeiten, nicht durch verlorene Schlüssel.
Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung vom Oktober 2025 regeln 32 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer ihren digitalen Nachlass — 16 Prozent vollständig, 16 Prozent teilweise. Der Anteil sinkt seit dem Höchststand von 40 Prozent im Jahr 2021, und nur 3 Prozent haben bei einem Anbieter tatsächlich eingestellt, was mit ihrem Profil geschehen soll.
Eine Hochrechnung des Oxford Internet Institute von 2019 kommt auf mindestens 1,4 Milliarden verstorbene Facebook-Nutzer bis zum Jahr 2100, wenn das Netzwerk ab 2018 keine neuen Mitglieder mehr gewinnt — und auf über 4,9 Milliarden, wenn es weiter wächst. Das ist eine Prognose unter benannten Annahmen und keine Tatsache, und sie sagt nichts darüber, wann tote Profile die lebenden überholen.
James Howells verlor 2013 eine Festplatte mit dem privaten Schlüssel zu 8.000 Bitcoin; der High Court wies seine Klage gegen die Stadt Newport im Januar 2025 ab. Die aufschlussreichste Feststellung des Urteils ist eine andere als die Zahl: Auf der Festplatte lagen nie Bitcoin, sondern nur die Aufzeichnung eines Schlüssels — und dass er Eigentümer der Bitcoin ist, war zwischen den Parteien nie streitig.
Sogenannte Deadbots ahmen die Sprache Verstorbener aus deren digitalen Spuren nach; Cambridge-Forscher nennen dieses Feld ausdrücklich „hochriskant" und fordern Gestaltungsregeln statt eines Verbots. Die Frage, an der sich alles entscheidet, ist nicht, ob es tröstet — sondern wer zugestimmt hat und wer es wieder beenden darf.
Die Sterbeurkunde stellt das Standesamt des Sterbeortes aus; der Tod muss ihm spätestens am dritten Werktag danach angezeigt werden. Ehepartner, Lebenspartner, Vorfahren und Abkömmlinge erhalten sie ohne weitere Begründung — alle anderen müssen ein berechtigtes oder rechtliches Interesse darlegen.
Ja. Der Bundesgerichtshof entschied 2018, dass der Vertrag über ein Nutzerkonto nach § 1922 BGB auf die Erben übergeht und diese Zugang zu den gespeicherten Kommunikationsinhalten erhalten — und stellte 2020 klar, dass ein PDF-Ausdruck dafür nicht genügt.
Die Ausschlagung ist nur binnen sechs Wochen möglich und muss gegenüber dem Nachlassgericht erklärt oder öffentlich beglaubigt werden; wer die Frist verstreichen lässt, hat die Erbschaft angenommen. Eine Ausschlagung nur eines Teils — etwa der Schulden, aber nicht der Fotos — ist unwirksam.
Sie dürfen sich informieren, ohne damit anzunehmen — aber nicht handeln: Geld abheben, die Wohnung räumen oder einen Erbschein beantragen gilt als Annahme und beendet die Ausschlagungsfrist. Kennen Sie den Nachlass nicht, sind Nachlassverwaltung, Nachlassinsolvenz und die Dürftigkeitseinrede die Wege, die Haftung auf den Nachlass zu begrenzen.
Bei mehreren Erben wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen, und über einen einzelnen Gegenstand können die Erben nur gemeinschaftlich verfügen (§§ 2032, 2040 BGB). Allein darf ein Miterbe nur tun, was zur Erhaltung notwendig ist — praktisch entsteht das Problem trotzdem dort, wo einer die Zugangsdaten hat und die anderen nicht.
Ohne Todesfall greift kein Erbrecht: Wer nach einem Unfall oder einer Erkrankung nicht mehr handeln kann, wird nicht von Angehörigen vertreten, sondern braucht einen Bevollmächtigten. Eine Vorsorgevollmacht macht die Bestellung eines Betreuers entbehrlich (§ 1814 BGB) — nützt aber nur, wenn auch die Zugänge dokumentiert sind.
Oft nicht: Der Bundesgerichtshof hat 2013 entschieden, dass ein Erbe sein Erbrecht auch in anderer Form als durch einen Erbschein belegen darf, und die entsprechende Klausel der Sparkassen-AGB gegenüber Verbrauchern für unwirksam erklärt. Nur bei konkreten Zweifeln am Erbrecht darf eine Bank auf dem Erbschein bestehen.
Apple erlaubt es, bis zu fünf Personen als Nachlasskontakt zu hinterlegen, die nach Vorlage einer Sterbeurkunde Zugriff auf iCloud-Daten erhalten. Die Einrichtung dauert etwa vier Minuten und erfolgt direkt in den Apple-ID-Einstellungen auf iPhone, iPad oder Mac.
Google nennt die Funktion „Kontoinaktivität-Manager“: Sie legen fest, nach wie vielen Monaten ohne Anmeldung bis zu zehn Vertrauenspersonen benachrichtigt werden und welche Daten sie erhalten. Optional wird das Konto danach automatisch gelöscht.
Facebook kennt zwei getrennte Wege: einen zu Lebzeiten benannten Nachlasskontakt, der das Profil später im Gedenkzustand verwaltet, und die Löschung des Kontos nach dem Tod. Beides schließt sich gegenseitig aus und wird in den Kontoeinstellungen festgelegt.
Rechtlich gehört Ihnen kein einziges Spiel Ihrer Steam-Bibliothek — Sie haben Nutzungslizenzen erworben, die laut Nutzungsbedingungen nicht übertragbar sind. In der Praxis geht ein Konto dennoch weiter, wenn Erben die Zugangsdaten besitzen.
Ja — und das ist bei digitalen Diensten die Ausnahme, nicht die Regel. Guthaben ist schlicht Geld und fällt damit in den Nachlass, während man bei den meisten anderen Diensten nur einen Vertrag beendet, statt etwas zu erben.
Bitcoin ist vererbbar wie jeder andere Vermögenswert — juristisch ist das unstrittig. Praktisch erben Ihre Angehörigen aber nur dann etwas, wenn sie an den privaten Schlüssel kommen; ohne ihn gibt es keine Instanz, die den Zugang wiederherstellen könnte.
Das PayPal-Konto eines Verstorbenen kann von Erben aufgelöst werden; PayPal verlangt dafür laut eigenem Hilfebereich die Sterbeurkunde sowie einen Nachweis der Erbberechtigung, etwa einen Erbschein oder ein eröffnetes Testament. Eine feste Bearbeitungsfrist nennt PayPal nicht — bis zur Klärung bleibt das Konto gesperrt, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten entstehen.
In den ersten Tagen sind laut § 28 Personenstandsgesetz nur wenige Dinge wirklich fristgebunden: die ärztliche Todesbescheinigung und die Anzeige beim Standesamt spätestens am dritten auf den Tod folgenden Werktag. Die Sterbeurkunden und die Bestattung selbst haben je nach Bundesland mehr Spielraum, auch wenn es sich in den ersten Stunden nicht so anfühlt.
Ein Ledger ist ohne die 24-Wort-Wiederherstellungsphrase für Erben wertlos — das Gerät selbst nützt ohne PIN nichts, und Ledger kann weder PIN noch Phrase zurücksetzen. Die Phrase muss deshalb getrennt vom Gerät hinterlegt und im Erbfall auffindbar sein.
Laut einer viel zitierten Chainalysis-Analyse sind schätzungsweise zwischen 2,3 und 3,7 Millionen Bitcoin dauerhaft unzugänglich — das entspricht etwa 11 bis 18 Prozent aller jemals erzeugten Einheiten. Ein erheblicher Teil davon liegt in Wallets, deren Zugangsdaten für immer verloren gingen, oft weil niemand rechtzeitig für den Ernstfall vorgesorgt hatte.