Was passiert, wenn niemand vorgesorgt hat — belegte Fälle und Größenordnungen statt Schätzungen.
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Als der Gründer der kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX Ende 2018 starb, hieß es, mit ihm sei der Zugang zu den Kundengeldern verschwunden. Die Untersuchung der Ontario Securities Commission kam zu einem anderen Ergebnis: Der Fehlbetrag von 169 Millionen kanadischen Dollar entstand ganz überwiegend durch Betrug zu Lebzeiten, nicht durch verlorene Schlüssel.
Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung vom Oktober 2025 regeln 32 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer ihren digitalen Nachlass — 16 Prozent vollständig, 16 Prozent teilweise. Der Anteil sinkt seit dem Höchststand von 40 Prozent im Jahr 2021, und nur 3 Prozent haben bei einem Anbieter tatsächlich eingestellt, was mit ihrem Profil geschehen soll.
Eine Hochrechnung des Oxford Internet Institute von 2019 kommt auf mindestens 1,4 Milliarden verstorbene Facebook-Nutzer bis zum Jahr 2100, wenn das Netzwerk ab 2018 keine neuen Mitglieder mehr gewinnt — und auf über 4,9 Milliarden, wenn es weiter wächst. Das ist eine Prognose unter benannten Annahmen und keine Tatsache, und sie sagt nichts darüber, wann tote Profile die lebenden überholen.
James Howells verlor 2013 eine Festplatte mit dem privaten Schlüssel zu 8.000 Bitcoin; der High Court wies seine Klage gegen die Stadt Newport im Januar 2025 ab. Die aufschlussreichste Feststellung des Urteils ist eine andere als die Zahl: Auf der Festplatte lagen nie Bitcoin, sondern nur die Aufzeichnung eines Schlüssels — und dass er Eigentümer der Bitcoin ist, war zwischen den Parteien nie streitig.
Sogenannte Deadbots ahmen die Sprache Verstorbener aus deren digitalen Spuren nach; Cambridge-Forscher nennen dieses Feld ausdrücklich „hochriskant" und fordern Gestaltungsregeln statt eines Verbots. Die Frage, an der sich alles entscheidet, ist nicht, ob es tröstet — sondern wer zugestimmt hat und wer es wieder beenden darf.
Laut einer viel zitierten Chainalysis-Analyse sind schätzungsweise zwischen 2,3 und 3,7 Millionen Bitcoin dauerhaft unzugänglich — das entspricht etwa 11 bis 18 Prozent aller jemals erzeugten Einheiten. Ein erheblicher Teil davon liegt in Wallets, deren Zugangsdaten für immer verloren gingen, oft weil niemand rechtzeitig für den Ernstfall vorgesorgt hatte.
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