Wiederherstellungscodes — das eine, was wirklich auf Papier gehört
Wiederherstellungscodes sind der einzige Teil einer modernen Anmeldung, der sich ausdrucken und hinterlegen lässt: Google gibt zehn einmal verwendbare Backup-Codes aus, Microsoft einen 25-stelligen Code, Apple einen 28-stelligen Wiederherstellungsschlüssel. Wer sie erzeugt und sicher verwahrt, erspart Angehörigen den wochenlangen Weg über die Kontowiederherstellung.
Schritt für Schritt
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Die Codes dort erzeugen, wo sie hingehören
Alle drei großen Anbieter stellen sie bereit, nennen sie aber verschieden. Google heißt es Backup-Codes. Sie erzeugen „zehn neue Backup-Codes" in den Sicherheitseinstellungen des Kontos und können sie herunterladen oder ausdrucken. Jeder Code gilt genau einmal: „Nachdem Sie sich mit einem Backup-Code angemeldet haben, wird dieser Code inaktiv." Microsoft gibt einen einzelnen Wiederherstellungscode aus, 25 Stellen lang, über die Sicherheitseinstellungen des Microsoft-Kontos. Wer einen neuen erzeugt, entwertet damit den alten. Apple nennt es Wiederherstellungsschlüssel: einen 28-stelligen Code, den Sie beim Einrichten einmal bestätigen müssen. Er ist ausdrücklich freiwillig — ohne ihn läuft alles über die langsame Kontowiederherstellung. Für alle drei gilt dieselbe Eigenschaft, und sie ist der Grund für diesen Beitrag: Es sind Zeichenketten. Man kann sie abschreiben, ausdrucken und in einen Umschlag legen. Bei einem Passkey geht das nicht, bei einer Authenticator-App auch nicht.
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Sie ausdrucken, nicht abfotografieren
Ein Bildschirmfoto der Codes landet in der Foto-Mediathek — und die liegt in der Cloud, die mit genau diesen Codes geschützt wird. Apple sagt das für den eigenen Schlüssel ausdrücklich: Er gehört nicht in die Passwörter-App, nicht in iCloud-Fotos, nicht in Notizen und nicht in iCloud Drive, denn „wenn du den Zugriff auf deinen Apple-Account verlierst, kannst du diese Apps nicht öffnen". Dieselbe Überlegung gilt für jeden Anbieter und für jeden Passwortmanager, den derselbe Zugang schützt. Papier hat hier einen echten Vorteil: Es ist von der Kette unabhängig, die es entsperren soll.
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Einen Ort wählen, den Angehörige finden
Ein Umschlag, den niemand findet, ist kein Zugang. Ein Umschlag, den jeder findet, ist keine Sicherheit. Zwischen diesen beiden Fehlern liegt die eigentliche Entscheidung. Bewährt hat sich: dorthin, wo ohnehin die anderen wichtigen Papiere liegen — zu Ausweis, Versicherungspolice und Vorsorgevollmacht. Wer einen Bankschließfachzugang oder einen Safe hat, nutzt ihn; wer nicht, legt sie zu den Familienunterlagen und sagt einer Person, dass es sie gibt. Was dazugehört, damit ein Fund auch verwertbar ist: zu welchem Konto die Codes gehören (die E-Mail-Adresse genügt), von welchem Anbieter sie stammen, und wann sie erzeugt wurden. Ohne diese drei Angaben liegt da eine Zahlenkolonne, die niemand zuordnen kann.
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Nach jeder Nutzung neu erzeugen
Codes verbrauchen sich. Bei Google ist nach zehn Anmeldungen Schluss, bei Microsoft nach einer. Wer einen Code benutzt hat, sollte gleich neue erzeugen und den alten Ausdruck vernichten — sonst liegt im Umschlag irgendwann nur noch Papier. Ein fester Termin hilft mehr als ein Vorsatz: einmal im Jahr, zusammen mit einem ohnehin fälligen Vorgang. Google weist darauf hin, dass beim Aktualisieren „die alten automatisch deaktiviert" werden — ein zweiter, älterer Ausdruck ist also nicht nur nutzlos, er ist irreführend.
Häufige Fragen
Ist es nicht gefährlich, so etwas auszudrucken?
Es verlagert das Risiko, und zwar in eine Richtung, die man beherrschen kann. Ein Papier im eigenen Haushalt ist gegen den häufigsten Angriff — jemand im Internet probiert Zugangsdaten durch — vollständig immun. Es ist verwundbar gegen Einbruch, Feuer und Neugier im eigenen Haus. Für die meisten Menschen ist das ein guter Tausch. Wer ihn nicht machen will, hat mit einem Bankschließfach die teurere, aber saubere Variante. Wichtig ist nur, dass auf dem Zettel nicht zusätzlich das Passwort steht. Dann wäre es kein zweiter Faktor mehr, sondern der erste noch einmal.
Reicht ein Passwortmanager dafür nicht?
Für den Alltag ja, für den Ernstfall nur, wenn der Manager selbst nicht hinter dem Konto steht, das die Codes entsperren sollen. Steht Ihr Passwortmanager hinter Ihrem Google-Konto und sind die Google-Backup-Codes darin gespeichert, haben Sie einen Kreis gebaut, aus dem niemand herauskommt. Was Passwortmanager für den Nachlass leisten und wo ihre Grenze liegt, behandelt der Vergleich Notfallzugang bei Passwortmanagern.
Sind Wiederherstellungscodes ein Ersatz für einen Nachlasskontakt?
Nein, sie sind etwas anderes. Ein Nachlasskontakt ist der vom Anbieter vorgesehene, rechtlich saubere Weg: Er wird nach dem Tod tätig und bekommt, was der Anbieter vorsieht. Codes sind eine Abkürzung, die technisch funktioniert und juristisch nichts regelt. Am besten ergänzen sie einander. Der Nachlasskontakt ist die Vorsorge für die Konten, die einen kennen. Die Codes sind die Vorsorge für die Wochen davor, in denen noch kein Erbschein vorliegt und trotzdem etwas geschehen muss.
Welche Konten lohnen sich zuerst?
Das E-Mail-Konto. Es ist der Generalschlüssel: Über die Adresse laufen die Passwort-Rücksetzungen aller anderen Dienste, und wer es hat, kommt fast überall weiter. Danach das Konto, an dem die Passkeys und das Telefon hängen — Apple-Account, Google-Konto oder Microsoft-Konto. Drei Ausdrucke decken damit den größten Teil des Problems ab. Alles Weitere ist Feinarbeit.