Microsoft-Konto im Todesfall — was Angehörige tun können
Microsoft kennt keinen Nachlasskontakt: Man kann zu Lebzeiten niemanden benennen. Angehörige in Deutschland wenden sich nach dem Tod an den Microsoft-Kundensupport und weisen ihr Erbrecht nach — unter anderem mit einem Erbschein oder einem anderen gerichtlichen Dokument.
Schritt für Schritt
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Zuerst das Unangenehme: Vorsorgen geht hier nicht
Bei Apple und Google können Sie zu Lebzeiten festlegen, wer nach Ihrem Tod an Ihr Konto darf. Microsoft bietet das nicht. Es gibt keinen Nachlasskontakt, keinen Inaktivitäts-Manager und keine Stelle in den Kontoeinstellungen, an der Sie eine Person hinterlegen könnten. Das ist keine Auslegungsfrage, sondern eine Lücke: Wer ein Microsoft-Konto hat und möchte, dass Angehörige später an die Postfächer, die OneDrive-Dateien oder die Lizenzen kommen, muss selbst vorsorgen — außerhalb von Microsoft.
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Was Sie stattdessen tun können, solange Sie leben
Legen Sie eine Liste an, auf der steht, dass es dieses Konto gibt, welche E-Mail-Adresse dazugehört und welche Dienste daran hängen: Outlook.com, OneDrive, ein Microsoft-365-Abonnement, Xbox, gekaufte Software. Bewahren Sie sie so auf, dass die Person sie findet, die sich im Ernstfall kümmern soll. Wenn Sie darüber hinaus Zugangsdaten hinterlegen, tun Sie das nicht in einer E-Mail und nicht in einem Dokument in der Cloud, auf die dieselbe Anmeldung führt. Das ist der Fehler, der sich am häufigsten wiederholt: Die Zugangsdaten zum Konto liegen in einem Dokument, das nur mit diesem Konto zu öffnen ist.
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Nach einem Todesfall: den Kundensupport anschreiben
Microsoft nennt für Deutschland einen eigenen Weg. Kunden in Deutschland können sich an den Microsoft-Kundensupport wenden, um Zugriff auf das Konto zu erhalten. Vorzulegen sind Kopien von: der Sterbeurkunde, dem Personalausweis oder Reisepass der verstorbenen Person, einem Erbschein oder einem anderen Dokument eines Gerichts, das die alleinige Erbschaft nachweist oder alle Erben mit Anschrift benennt, und dem Ausweis der antragstellenden Person oder einer unterzeichneten Vollmacht. Der dritte Punkt ist der aufwendige. Ein privatschriftliches Testament genügt dem Wortlaut nach nicht — verlangt wird ein gerichtliches Dokument.
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Die Zeit läuft: ein Jahr, dann zwei
Zwei Fristen laufen parallel, und beide sind kurz genug, um ein Verfahren zu überholen: Outlook.com und OneDrive werden nach einem Jahr Inaktivität gesperrt, und danach werden E-Mails und Dateien gelöscht. Microsoft-Konten laufen nach zwei Jahren Inaktivität ab. Ein Erbschein braucht je nach Nachlassgericht Wochen bis Monate. Wenn Sie den Zugriff wollen, fangen Sie früh an — und melden Sie sich beim Support, auch wenn Sie die Unterlagen noch nicht vollständig haben.
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Abonnements stoppen, auch ohne Kontozugriff
Das geht unabhängig vom Zugriff und sollte zuerst passieren, weil es Geld kostet. Microsoft verweist darauf, laufende Abonnements über die Zahlungsseite zu beenden: das Bankkonto oder die Karte schließen, Autorisierungen widerrufen oder die Bank informieren. Das ist ein grober Weg, und er hat einen Haken — mit derselben Karte hängen womöglich andere Verträge zusammen. Prüfen Sie deshalb erst, was noch über sie läuft, bevor Sie sie sperren lassen.
Häufige Fragen
Bekomme ich die E-Mails, oder nur das Konto?
Das ist dieselbe Frage, und die Antwort ist erfreulicher, als viele erwarten. Mit dem Tod geht das Vermögen als Ganzes auf die Erben über (§ 1922 BGB), und der Bundesgerichtshof hat 2018 für ein Social-Media-Konto entschieden, dass davon auch der Nutzungsvertrag samt der gespeicherten Kommunikationsinhalte erfasst ist. Wer Erbe ist, erbt also nicht nur „das Konto", sondern auch, was darin steht. Praktisch scheitert es selten am Anspruch und häufig am Nachweis. Deshalb ist der Erbschein hier die eigentliche Hürde.
Was ist mit gekaufter Software und Spielen?
Unterscheiden Sie zwischen dem Konto und dem, was darin liegt. Lizenzen für Software und Spiele sind in aller Regel persönliche Nutzungsrechte, und die Bedingungen der Anbieter sehen eine Übertragung meist nicht vor. Wer Zugriff auf das Konto erhält, kann es faktisch weiterbenutzen — einen Anspruch darauf, die Lizenzen auf eine andere Person umzuschreiben, gibt es nicht.
Wir haben kein Erbschein und wollen keinen beantragen. Geht es auch anders?
Bei Banken hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein pauschales Verlangen nach einem Erbschein gegenüber Verbrauchern unwirksam ist; dort genügt oft ein eröffnetes notarielles Testament. Microsoft verlangt in seiner eigenen Aufstellung ausdrücklich ein gerichtliches Dokument und nennt als Beispiel den Erbschein. Ein eröffnetes notarielles Testament mit der Niederschrift des Nachlassgerichts ist ebenfalls ein gerichtliches Dokument — der Versuch lohnt sich. Rechnen Sie aber damit, dass ein Support-Mitarbeiter sich an die Liste hält, die vor ihm liegt.
Und wenn die verstorbene Person mir ihr Passwort hinterlassen hat?
Dann kommen Sie technisch hinein, und in der Praxis endet die Sache damit meistens. Sauber ist es nicht: Sie handeln außerhalb des vorgesehenen Weges, und bei einer Zwei-Faktor-Anmeldung fehlt Ihnen ohnehin der zweite Faktor, sobald das Gerät verloren geht oder gesperrt wird. Wenn Sie diesen Weg gehen, sichern Sie zuerst die Inhalte, die Sie brauchen, statt sich auf den fortdauernden Zugang zu verlassen.