Digitaler Nachlass in Deutschland — was die Zahlen sagen

Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung vom Oktober 2025 regeln 32 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer ihren digitalen Nachlass — 16 Prozent vollständig, 16 Prozent teilweise. Der Anteil sinkt seit dem Höchststand von 40 Prozent im Jahr 2021, und nur 3 Prozent haben bei einem Anbieter tatsächlich eingestellt, was mit ihrem Profil geschehen soll.

5 MinutenZuletzt geprüft: 14.09.2026Gilt in DEIch bin neugierig

Häufige Fragen

Wie viele Menschen haben ihren digitalen Nachlass geregelt?

Knapp ein Drittel. Bitkom hat dafür im Auftrag des eigenen Verbands 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren befragen lassen, darunter 917 Internetnutzerinnen und -nutzer. Von diesen legen 32 Prozent fest, was nach dem eigenen Tod mit den digitalen Spuren geschehen soll — 16 Prozent vollständig, weitere 16 Prozent zumindest teilweise. 22 Prozent planen es immerhin. 43 Prozent sagen, sie werden und wollen es nicht tun. Die Zahl ist deshalb interessant, weil sie nicht steigt, sondern fällt. 2021 lag der Anteil bei 40 Prozent und damit auf dem bisherigen Höchststand, 2023 bei 37 Prozent. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder ordnet das so ein: „Während der Pandemie waren die Themen Vorsorge und digitaler Nachlass besonders präsent, jetzt rücken sie wieder in den Hintergrund."

Was genau haben die Vorsorgenden geregelt?

Fast immer das Gerät, fast nie das Netz. Unter denen, die etwas geregelt haben, ist der Zugang zu Smartphone, Laptop oder Tablet mit 77 Prozent die häufigste Vorkehrung. Es folgen Online-Banking und die Zugänge zu E-Mail-Konten oder Messengern mit jeweils 45 Prozent, Cloud-Speicher mit 33 Prozent und der Verbleib der Geräte selbst mit 31 Prozent. Bei den sozialen Medien bricht es ein: Nur 15 Prozent haben dafür etwas vorgesehen. Die Reihenfolge ist aufschlussreich, weil sie nicht der Wichtigkeit folgt, sondern der Greifbarkeit. Ein Telefon ist ein Gegenstand, den man weitergibt; ein Konto ist eine Abmachung, die man regeln müsste. Dabei ist gerade das E-Mail-Konto der Generalschlüssel — über die Adresse laufen die Passwort-Rücksetzungen für alles andere.

Der Widerspruch, der die interessanteste Zahl liefert

60 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer möchten ausdrücklich nicht, dass nach ihrem Tod jemand Zugriff auf ihre digitalen Inhalte hat. 40 Prozent wünschen sich, dass ihre Profile in sozialen Netzwerken auch nach ihrem Tod bestehen bleiben. Und nur 3 Prozent haben bei einem Dienst tatsächlich eingestellt, dass ihr Profil danach in einen Gedenkzustand versetzt wird. Zwischen dem Wunsch und der Einstellung liegen also 37 Prozentpunkte. Das ist die eigentliche Lücke: nicht zwischen Wissen und Wollen, sondern zwischen Wollen und fünf Minuten in den Einstellungen. Für den ersten Wunsch gilt dasselbe in die andere Richtung. Wer nicht möchte, dass jemand mitliest, muss das ebenfalls einstellen — der gesetzliche Zustand ist nämlich der umgekehrte. Rohleder sagt es im selben Text: „Wenn im Testament oder in einer Vollmacht nichts anderes festgelegt ist, geht mit dem Erbe auch der Zugang zu digitalen Geräten und Konten über — und damit liegen alle Inhalte gegenüber den Erben offen."

Wie sorgen die Vorsorgenden vor?

Mit einer Person, nicht mit einem Verfahren. 78 Prozent derjenigen, die etwas geregelt haben, haben eine Vertrauensperson aus dem Umfeld benannt. 34 Prozent haben Zugänge und Passwörter in einer Datei oder Notiz hinterlegt. 15 Prozent haben testamentarisch vorgesorgt. Eine kommerzielle Plattform oder App nutzt 1 Prozent. Die Passwortdatei mit 34 Prozent verdient einen Hinweis, denn sie ist zugleich der verbreitetste und der heikelste Weg: Eine unverschlüsselte Liste ist genau so lange praktisch, wie niemand Unbefugtes sie findet, und sie ist meist längst veraltet, wenn sie gebraucht wird. Der niedrige Wert bei den Plattformen wiederum ist ehrlicherweise auch eine Aussage über Anbieter wie uns: Dieses Thema wird ganz überwiegend privat geregelt, nicht gekauft.

Was fängt man mit solchen Zahlen an?

Am wenigsten sollte man sie als Vorwurf lesen. Dass zwei von drei Menschen nichts geregelt haben, liegt nicht an Gleichgültigkeit — es liegt daran, dass es keinen Anlass gibt. Ein Konto meldet sich nicht, solange alles gut geht. Brauchbar sind sie als Maßstab für die eigene Lage. Wer die Gerätecodes hinterlegt hat, gehört zu den 77 Prozent der Vorsorgenden und hat den wichtigsten Schritt getan. Wer zusätzlich das E-Mail-Konto geregelt hat, ist bei den 45 Prozent. Und wer bei einem Anbieter tatsächlich eine Einstellung vorgenommen hat, gehört zu den 3 Prozent — das ist der Schritt, den fast alle auslassen, und er dauert am kürzesten. Alle Zahlen dieses Beitrags stammen aus der genannten Bitkom-Befragung; erhoben wurde sie in den Kalenderwochen 33 bis 38 des Jahres 2025. Sie sind repräsentativ für Deutschland und nicht auf Österreich oder die Schweiz übertragbar.