Die Seed Phrase im Nachlass — was hinterlegt gehört und was nicht
Aus der Wiederherstellungsphrase lässt sich eine Wallet vollständig neu aufbauen; wer sie hat, hat das Geld. Genau deshalb gehört sie nicht in einen Onlinespeicher und nicht in eine Nachricht — in den digitalen Nachlass gehört der Hinweis, wo sie liegt, nicht die Phrase selbst.
Schritt für Schritt
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Verstehen, was die Phrase ist — und was das Passwort nicht ist
Diese Unterscheidung ist der Kern, und sie wird ständig verwechselt. Die Seed Phrase ist die Wallet. Die Electrum-Dokumentation beschreibt es so: „The seed is a random phrase that is used to generate your private keys", und „Your wallet can be entirely recovered from its seed." Aus zwölf oder vierundzwanzig Wörtern lässt sich alles wiederherstellen — auf einem beliebigen Gerät, mit einem beliebigen kompatiblen Programm. Das Passwort schützt nur die Datei auf diesem einen Rechner. Electrum sagt dazu ebenso klar: „It is not possible to recover your password. However, you can restore your wallet from its seed phrase and choose a new password." Und der Satz, der die Rangfolge endgültig festlegt: „If you lose both your password and your seed, there is no way to recover your money." Daraus folgt beides zugleich: Die Phrase ist das Einzige, was Angehörige wirklich brauchen — und sie ist das Einzige, was ein Fremder wirklich braucht.
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Die Phrase auf Papier bringen, nicht in eine Datei
Ein Bildschirmfoto der Phrase landet in der Foto-Mediathek, und die liegt in der Cloud. Eine Notiz in der Notizen-App liegt dort ebenfalls. Eine Datei auf dem Rechner wird beim nächsten Sicherungslauf mitkopiert. Jede dieser Kopien ist eine weitere Stelle, an der jemand das gesamte Vermögen findet. bitcoin.org fasst die Anforderung an eine Sicherung in drei Punkten zusammen, die genau hierher zielen: Sie soll die gesamte Wallet abdecken, verschlüsselt sein, wo sie online liegen könnte, und an mehreren Orten aufbewahrt werden. Papier hat hier einen echten Vorteil gegenüber jedem digitalen Speicher: Es lässt sich nicht aus der Ferne kopieren. Wer mehr will, verwendet eine eingeschlagene Metallplatte — sie übersteht auch das, woran Papier scheitert.
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Zwei Orte wählen, die nicht gemeinsam untergehen
Der klassische Fehler ist, die Sicherung neben das Gerät zu legen. Ein Wohnungsbrand nimmt dann beides. Zwei getrennte Orte lösen das, und sie lösen zugleich das Nachlassproblem: Ein Ort, den die Familie kennt — bei den übrigen wichtigen Papieren —, und ein zweiter, der weiter weg liegt, etwa ein Bankschließfach. Wer die Phrase auf zwei Hälften aufteilt, sollte wissen, was er tut: Das erhöht die Sicherheit gegen Diebstahl und halbiert die Chance, dass Angehörige beide Teile finden. Für die meisten Menschen ist eine vollständige Phrase an einem gut gewählten Ort die bessere Lösung als zwei Hälften an zwei Orten, von denen einer in Vergessenheit gerät.
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In den Tresor gehört der Zettel, nicht der Schlüssel
Das ist die Regel für digitale Nachlassdienste — auch für diesen hier, und wir sagen es ausdrücklich gegen das eigene Interesse. In einen digitalen Tresor gehört: dass es Kryptowerte gibt, welche Wallet oder welches Gerät verwendet wird, wo die Phrase liegt und wer sie im Ernstfall verwenden soll. Vier Sätze, die den Angehörigen den Weg zeigen. Nicht hinein gehört die Phrase selbst. Der Grund ist nicht Misstrauen gegen den Anbieter, sondern eine Frage der Größenordnung: Ein Tresorzugang ist so sicher wie das Passwort davor und das Gerät, an dem er benutzt wird. Für eine Passwortliste ist das ein guter Tausch; für einen Betrag, der unwiderruflich und in Sekunden abfließen kann, ist es einer, den man nicht machen muss. Wer diesen Unterschied nicht macht, macht sich zum Angriffsziel — und widerspricht dem eigenen Sicherheitsversprechen.
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Einen Probelauf machen, solange es ungefährlich ist
Eine Sicherung, die nie geprüft wurde, ist eine Vermutung. Der Probelauf ist einfach: eine Wallet aus der notierten Phrase in einem zweiten Programm wiederherstellen und nachsehen, ob dieselben Adressen erscheinen. Falls ja, ist die Phrase richtig abgeschrieben. Falls nein, hat man es zu einem Zeitpunkt gemerkt, an dem es folgenlos ist. Genauso wichtig ist der zweite Probelauf, und den macht kaum jemand: Kann die Person, die es später tun soll, den Ort finden? Fragen Sie sie. Nicht die Phrase zeigen — nur, ob sie wüsste, wo sie suchen müsste.
Häufige Fragen
Reicht es nicht, das Gerät weiterzugeben?
Nein, und das ist ein häufiges Missverständnis bei Hardware-Wallets. Das Gerät ist ein Behälter, kein Besitztitel. Ohne PIN lässt es sich nicht benutzen, und nach mehreren Fehleingaben löscht es sich selbst — das ist Absicht und nicht abschaltbar. Danach hilft nur noch die Phrase. Wer also das Gerät vererbt, aber weder PIN noch Phrase hinterlegt, vererbt ein Stück Elektronik.
Kann nicht der Hersteller helfen?
Nein. Bei Selbstverwahrung gibt es niemanden, der etwas freigeben könnte — kein Unternehmen kennt Ihre Schlüssel, und genau das ist der Zweck der Bauweise. Das ist der Unterschied zu einer Börse, wo ein Nachlassverfahren existiert. Dort kann man einen Antrag stellen; hier gibt es keine Stelle, an die er ginge. Der Beitrag zu Kryptowerte auf einer Börse stellt beide Wege gegenüber.
Was ist mit einer Passphrase zusätzlich zur Seed?
Manche Wallets erlauben ein zusätzliches Wort, das zusammen mit der Phrase eine eigene, verborgene Wallet ergibt. Das erhöht die Sicherheit erheblich — und die Gefahr, dass im Nachlass nichts ankommt, ebenso. Wer eine solche Passphrase verwendet, muss ihren Gebrauch dokumentieren. Sonst finden die Erben eine korrekt wiederhergestellte, aber leere Wallet und schließen daraus, es sei nichts da. Das ist der unangenehmste Fehlschluss in diesem ganzen Thema, weil er wie eine Antwort aussieht.
Wie erklärt man Angehörigen, worum es geht, ohne sie zu überfordern?
Mit einem Satz, der den Kern trifft: Das ist kein Passwort, das man zurücksetzen kann — es ist der einzige Schlüssel, und es gibt keinen zweiten. Alles Weitere lässt sich im Ernstfall nachlesen. Was sich nicht nachlesen lässt, ist, wo der Zettel liegt.